Findus
Effektiv wie Doppelkorn
www.myspace.com/findusmusik
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Findus
Wer glaubt der neue heiße Scheiß kommt immer aus
Metropolen hat keine Ahnung. Die Provinz hat schon
immer Neues und Gutes hervorgebracht und außerdem
sind die meisten Großstädter auch nur zu gereiste vom
Land. Findus würden solchen Leuten ihren Refrain „Deine
Geschichten will hier niemand hören“ entgegen brüllen.
Findus sind fünf Bilderbuchfreunde aus Ostholstein, einer
Gegend die außer ihren Einwohnern kaum jemand kennt.
Auch Rocko Schamonis „Dorfpunks“, das dort spielt, hat
daran nichts ändern können. Dort wird man entweder alt
und übernimmt schließlich Papas Hof oder Krämerladen
oder man haut irgendwann nach der Schule ab. Findus
gehören nicht zur ersten Gruppe, das hört man aus jeder
Zeile und zum Abhauen haben sie noch genug Zeit, denn
die Schule haben sie noch nicht allzu lange hinter sich.
„Hol mich ab hol mich hier raus“ ist nur eine von vielen
Zeilen aus denen der Traum, die schöne aber eintönige
Heimat zu verlassen, spricht. Dieser Traum könnte für
die Jungs bald Wirklichkeit werden, denn die Band spielt
einen Gig nach dem anderen und gewinnt stetig neue
Fans. Den Norden der Republik haben Findus bereits
eingehend bereist und das Publikum will mehr. Deshalb
spielt die Band nicht nur immer mehr Konzerte, sondern
hat jetzt auch ihre erste Platte namens „Sansibar“
aufgenommen. Auch aus diesem Titel spricht Fernweh,
das wohl bald gestillt wird. Die Jungs „wissen nicht
wohin die Reise geht“, vermutlich demnächst kreuz
und quer durch die Clubs der gesamten Republik.
Die Musik pendelt zwischen Indie und Punk und
gesungen wird auf deutsch – manchmal wütend,
manchmal nicht. Gott sei Dank bedeutet die Mischung
aus Punk und deutschen Texten nicht Mitgröhlsongs
über Saufen, Kotzen und dreckige Klos, sondern sehr
bildhafte Texte über weg wollen, Wut und jung sein.
Alkoholverherrlichung kommt zwar vor, aber das sollte
in Songs abseits von religiöser Musik normal sein.
Die Stücke gefallen spontan jedem der sie hört, was kein
Wunder ist, denn sie sind eingängig und man kann sie
mitsingen, hat aber kein schlechtes Gewissen dabei weil sie
trotz aller Ohrwurmrefrains eine liebevolle Schraddeligkeit
besitzen und nicht nur durch gelegentliche Orgel und
Trompeten Farbtupfer sehr abwechslungsreich sind.
Abwechslungsreich ist eigentlich ein schreckliches Wort
das immer dann verwendet wird wenn Bands nicht
wissen was sie wollen und alles Mögliche ausprobieren.
Auf diese Jungs trifft das nicht zu. Ihnen gelingt
das, was viele Bands vergeblich versuchen.
Man erkennt bei jedem Song sofort, dass sie es sind.
Das liegt an Sänger Simeon, den Texten und ihrem
Sound. Die Band reißt das Publikum in weniger als
vier Atemzügen mit und bringt jeden genau dahin, wo
er gerade hin will – einfach kurz weg, egal wo das ist.
Wenn Dorfpunks statt in den 80ern heute spielen würde
wären Findus für den Soundtrack verpflichtet worden.
Andi Schmidt / Molotow Club - Hamburg
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