Selig rocken Tourbus-Dach

Rock am Ring. Campingplatz. Eventcenter. Es ist kalt. So kalt, dass der Atem über den Köpfen aufsteigt. Fast glaubt man, ein kollektives Bibbern zu hören. In der Menschenmenge, die sich langsam vor dem Red Bull Tourbus sammelt, witzelt jemand: „Das regnet bestimmt nicht mehr. Das fängt gleich eher an zu schneien.“ Petrus ist an diesem Wochenende wahrlich kein Ringrocker. Die Leute sind offensichtlich ziemlich durch. Aber sie trotzen der Kälte. Wann hat man denn schon mal die Möglichkeit, einen Hauptbühnen-Act in so einer außergewöhnlichen Location zu sehen? Auf dem Tourbusdach gehen Selig nun in Position. Sie haben sich gegen den eisigen Wind da oben gerüstet. Sänger Jan Plewka zum Beispiel mit einem dicken Kapuzenpulli unter der Lederjacke. Sein Kommentar zu Wetterlage: „Kommt, wir kapern jetzt den Bus und fahren runter bis nach Istanbul. Da ist schön warm.“ Dann lacht er dieses typische, weltumarmende Plewka-Lachen – und die Band legt los.
Es ist kein leichter Ritt für Selig, aber die Herren legen sich gleich dermaßen ins Zeug, dass sie schon nach dem dritten Song das Publikum in der Tasche habe. Was man noch fünfzehn Minuten zuvor nicht vermutet hätte, ist nun nicht zu übersehen: Die Leute sind wieder voll da. Sie wärmen sich per Mitsingen, Klatschen und Springen. Begrüßen gleichermaßen alte Klassiker wie “Sie hat geschrien” oder das unfassbar groovende „Ist es wichtig“, zeigen sich aber auch bei neuen Tracks wie „Schau schau!“ durchaus textsicher. Aber, wer kann auch optimistischen Zeilen wie diesen widerstehen? „Und ich schau schau schau, in den Morgen, aus so vielen Welten zusammengelegt / und ich schau schau schau, in den Morgen, in so viele Welten so unendlich schön zu sehn.“ Da wird selbst eine klirrend kalte Eifelnacht plötzlich zu etwas strahlendem. Von den neuen Songs wird das hymnische „Wir werden uns wieder sehen“, besonders laut begrüßt. Es klingt wie ein Versprechen, dass sie halten werden. Eigentlich war das Konzert nur für eine halbe Stunde angesetzt, aber Selig haben nun dermaßen Bock, dass sie einfach noch weitermachen. Plewka sagt gleich mehrfach ins Mikro: „Was haben wir nur die letzten Jahre verpasst!“ Und das Publikum versichert lautstark singend: „Oh, wie ist das schön!“ Nach knapp einer Stunde des regulären Sets kommt es bei der zweiten Zugabe zum krönenden Abschluss und Highlight zu gleich. Die ersten Akkorde von „Ohne Dich“ erklingen, und ein Jubelsturm rauscht durch die rund 3.000 Menschen, die sich inzwischen am Campingplatz und auf der Straße versammelt haben. Feuerzeuge werden angezündet, vielmehr versuchen es einige, aber da es zu kalt und zu windig ist, schaffen nur die Sturmfeuerzeuge eine Flamme. „Es ist so oh-oh-ohne dich!“, schluchzt Plewka und die Meute gleich mit. Am Ende steigen Selig verschwitzt und glücklich vom Busdach, mit dem Wissen, dass ihr Publikum ebenso frisch gewärmt ins kalte Zelt kriechen wird.










3 Kommentare
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war einfach nur endgeil. dankeschööööön :-)
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danke danke danke es war einfach nur geil geil geil…ich hatte pippi in den augen!!!
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ein unvergesslicher abend, danke dafür! “wir werden uns wiedersehen” in stuttgart ;.)
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